Werkstatt-Café: Reparieren statt wegwerfen

20 Jahre Bürgerstiftung: Porträt von Janina Bräunling & Marc Nieswand

Gemeinsam reparieren statt wegwerfen – Wieslocher Werkstatt-Café stärkt Nachhaltigkeit

Mit diesem Interview setzen wir die Reihe fort, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden, die sich mit Zeit, Ideen und ganz viel Engagement für unsere Stadt einsetzen.

Das Team des Wieslocher Werkstatt-Cafés hilft, Defekte an mitgebrachten Gebrauchsgegenständen zu untersuchen und zu reparieren. Für Reparaturen aus den Bereichen Elektro, Holz, Textiles, Computer, Mechanik und Fahrräder stehen fachkundige Personen und die notwendigen Materialien und Werkzeuge bereit. Repariert wird hier in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen.

Janina Bräunling und Marc Nieswand, zwei junge Ehrenamtliche, sind seit Anfang 2022 dabei.

Wie seid ihr zum Werkstatt-Café gekommen?

Janina: Ich arbeite als Softwareentwicklerin, ursprünglich hatte ich eher Elektrotechnik im Blick. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Technik, und ich lebe recht nachhaltig. Über den persönlichen Kontakt zum Team bin ich ins Projekt hineingerutscht.

Marc: Ich studiere Elektrotechnik mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik an der Technischen Hochschule Mannheim. Ich habe das Werkstatt-Café beim Einkaufen entdeckt, bin neugierig hineingegangen und habe nachgefragt – und bin geblieben.

Welche Aufgaben übernehmt ihr im Werkstatt-Café?

Janina: Ich bin jetzt Teil der neuen Gruppe, die Upgrades von Windows 10 auf Windows 11 durchführt, insbesondere auf Geräten, die hierfür die Voraussetzungen laut Microsoft nicht erfüllen. Und wir kümmern uns um allgemeine Computerprobleme.

Marc: Ich konzentriere mich vor allem auf Elektrotechnik und Kleingeräte wie Kaffeemaschinen, Laptops, E-Reader und Handys, Spielzeug und vor allem Akkus. Bei Akku-Themen landet man fast immer bei mir. Oft geht es um defekte Stecker, lose Verbindungen, falsch eingestellte oder verschmutzte Komponenten, Verschleiß. Manchmal ist es Elektronik, manchmal reine Mechanik, die klemmt.

Welche Situationen haben euch besondere Freude gemacht?

Janina: Für mich sind es die Momente, in denen wir etwas auseinanderbauen, Fehler Schritt für Schritt suchen und dann das Gerät am Ende wieder funktioniert.

Marc: Ich erinnere mich besonders gerne an an Situationen, in denen ein Gerät wider aller Erwartungen doch noch läuft. Dazu kommen die gemeinsamen Winterfeiern und ein Grillabend im Garten – das zeigt, wie viel Gemeinschaft im Projekt steckt.

Gab es auch besonders herausfordernde Fälle?

Beide: Ja, vor allem, wenn die eigenen Kenntnisse an Grenzen stoßen und man Kollegen zu Rate ziehen muss. Alte Nähmaschinen mit verharztem Öl oder Geräte mit brüchigen Stoffkabeln sind kritisch. Verklebte oder verschweißte Geräte lassen sich oft kaum öffnen. In solchen Fällen ist eine sichere Reparatur aus Haftungs- und Brandschutzgründen nicht mehr möglich.

Was ist das Besondere an eurer Arbeit hier?

Beide: Wir verbinden technisches Interesse mit Nachhaltigkeit und sozialem Engagement. Wir lernen bei fast jeder Reparatur etwas dazu und helfen gleichzeitig Menschen, ihre Geräte weiter zu nutzen statt sie wegzuwerfen. So reduzieren wir den Müllberg an Elektrogeräten und zeigen, dass gute Gestaltung auch heißt, dass sich Dinge wieder auseinander- und zusammenbauen lassen.

Was möchtet ihr den Menschen mitgeben?

Beide: Traut euch vorbeizukommen, bevor ihr etwas wegwerft. Besonders bei Haushaltsgeräten lohnt sich ein Reparaturversuch. Bringt etwas Zeit mit, teilt möglichst viele Infos zum Gerät und helft ein bisschen mit – dann wird es für alle angenehmer. Wir würden uns freuen, wenn es immer mehr solche Werkstatt-Cafés in vielen weiteren Städten gäbe.

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