20 Jahre Bürgerstiftung: Interview zum Engagement von Gunthard Weber
Zur Person
Gunthard Weber ist Jahrgang 1940. Was Engagements in öffentlichen Bereichen betrifft, ist er in die Fußstapfen seines Vaters, eines Onkels und des Großvaters mütterlicherseits getreten, die alle auf unterschiedliche Weise vielfach ehrenamtlich tätig waren. Das Helfen und Unterstützen hat er aber auch schon sehr früh in der Familie im Krieg und danach gelernt.
Als Erwachsener war er über viele Jahre als Arzt beruflich sehr beschäftigt (PZN Wiesloch, zehn Jahre in unterschiedlichen Kliniken der Universität Heidelberg); 1989 Gründung eines Verlages; Gründung und Mitgründungen von vier Weiterbildungsinstituten und vier Berufsverbänden (DAF, IGST, SG, IAG); alle im psychiatrischen, psychotherapeutischen und systemischen Bereich.
Seit 2004 bis Februar dieses Jahres hat er sich intensiv in Mali für die Schul- und Berufsausbildung von Mädchen und Frauen engagiert und zwei große Einrichtungen initiiert: Häuser der Hoffnung – Schulbildung für Afrika e.V.; www.haeuser-der-hoffnung.org (dort war er von Juni 2004 bis November 2017 dessen 1. Vorsitzender) und Centre Agro-Alimentaire Siby gGmbH, CAAS; www.caas-mali.de, ein landwirtschaftliches Berufsbildungszentrum für junge Landfrauen. Beides sind Leuchtturmprojekte geworden. Dafür wurde ihm im Januar 2024 von Oberbürgermeister Elkemann das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Wie sind Sie zu Ihrem aktuellen Engagement in der Bürgerstiftung gekommen? Warum gerade die Bürgerstiftung?
Anlass für die Initiierung von Stadtgrün Wiesloch 2025 waren Berichte über die starke Erhitzung von Innenstädten durch die Klimaveränderungen und dass durch deren Begrünung eine Reduzierung der Temperatur von bis zu 5 Grad erreicht werden kann.
Im Schlosshof in Altwiesloch hatte ich bereits ab 1974, als er noch traurig und kahl war, zusammen mit den Nachbarn eine grüne Oase mit Bäumen, Büschen und Blumen geschaffen und die positive Wirkung von Pflanzen und insbes. Bäumen hautnah erlebt. Als das Areal keinen Platz mehr für Bäume hatte, pflanzte ich anderswo welche. Jetzt, nachdem ich mich aus meinem aktiven Engagement in Mali zurückgezogen habe, wollte ich endlich mal etwas für Wiesloch machen. Meine Idee: mehr Bäume und Begrünung für eine klimatisch bessere Stadt, und zwar durch einen Preis, der einerseits für Ideen und andererseits für die Umsetzung von Begrünungsvorhaben.
Ich trat damit an die Umweltbeauftragte der Stadt und die Bürgerstiftung heran und war überrascht, wie offen man mir begegnete. Eine so positive Resonanz hatte ich selten erlebt. In kürzester Zeit entstand mit Hilfe der Bürgerstiftung ein engagiertes, hochkompetentes Projektteam. Ich schätze es sehr, wenn ein Team gut zusammenarbeitet. Hier erlebe ich es.
Mein Ziel war es immer, dass über gute Ideen nicht nur diskutiert wird, sondern dass sie auch umgesetzt werden. Das finde ich in der Bürgerstiftung: die Leute dort reden nicht nur, sie arbeiten engagiert an der Verwirklichung guter Ideen. Als ich mit meiner Idee dort auftauchte, war mir gar nicht klar gewesen, was man alles beachten muss (Besitzverhältnisse, Untergrund, Genehmigungen usw.) – mit dem kompetenten Team nahmen wir alle Hürden.
Auch wenn die Resonanz auf den Wettbewerb nicht so groß war, wie ich erhoffte, bin ich zuversichtlich, dass wir etwas Gutes erreichen. Und mal sehen, was wir noch hinterher machen.
Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich bei der Bürgerstiftung zu engagieren?
Nach meinem langen Engagement im Ausland möchte ich wieder mehr in Wiesloch machen. Aufgrund meines Alters ist es nicht mehr so sehr das Tun, sondern mehr die Ideen und finanzielle Hilfe zur Umsetzung. Durch dieses Projekt komme ich wieder stärker ins Wieslocher Umfeld hinein, was in dieser Lebensphase wichtig für mich ist.
Aus welchen Gründen würden Sie jemandem die Bürgerstiftung empfehlen?
Die Bürgerstiftung hilft, etwas in Gang zu setzen. Dort sind so viele kompetente Personen, die sich alle ehrenamtlich und mit viel Begeisterung in den unterschiedlichen Bereichen einbringen. Das ist gut für die Stadt.
Jeder profitiert vom Ehrenamt, nicht nur diejenigen, für die man sich einsetzt, sondern auch die Ehrenamtlichen selbst. Man lernt neue Leute kennen, man kann sich mit dem einbringen, was man selbst gut kann, oder man kann sich mit Neuem beschäftigen. Da, wo einen die Energie hintreibt, da sollte man hingehen – das erfordert manchmal ein bisschen Mut, aber es lohnt sich.
