Vom punktuellen Anfang zum vielfältigen Engagement: Wo Hilfe gebraucht wird, packe ich an!

20 Jahre Bürgerstiftung: Interview zum Engagement von Joachim Schnitter

Mit diesem Interview setzen wir die Reihe fort, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden, die sich mit Zeit, Ideen und ganz viel Engagement für unsere Stadt einsetzen.

Joachim Schnitter hat sich innerhalb der Bürgerstiftung Wiesloch nach und nach in verschiedenen Bereichen engagiert, mit wachsender Begeisterung und Freude an der Gemeinschaft.

Wie bist du zur Bürgerstiftung gekommen und was ist deine Rolle?

Joachim Schnitter: Im April 2022 nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine besuchte ich eine Infoveranstaltung des Netzwerk Asyl. Damals waren in Wiesloch schon viele Geflüchtete angekommen, für deren Unterstützung das Netzwerk Ehrenamtliche suchte. Neben dem Begegnungscafé und dem Verteilen von Sachspenden bestand Bedarf für Deutschkurse. Ich habe mir die Aufgabe zugetraut und dann autodidaktisch eigenes Material entwickelt. Die erste Zeit war schwierig, denn keiner meiner Teilnehmenden konnte Deutsch, ich kein Ukrainisch oder Russisch. Es half, dass ein Teilnehmer Englisch sprach, und so fanden wir über Deutsch-Englisch-Russisch und wieder zurück einen Weg. Bald ging der Unterricht dann auf direktem Weg voran. Es gab mehrere Parallelkurse in der Woche, unterschiedlich bei Niveaus und Geschwindigkeiten. Alles in allem liefen die Kurse über mehr als zwei Jahre. Mit einigen Teilnehmer*innen bin ich auch jetzt noch – nach fast vier Jahren – in Kontakt. Ich führe das darauf zurück, dass die Lernenden die besondere Atmosphäre in den Kursen schätzten: Sie durften Fehler machen, keiner drängte, Nachfragen waren erwünscht, alle waren willkommen. In den Kursen habe ich auch viel über Deutschland erklären können und ich habe Menschen ermuntert, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und ihnen zugesagt, dass sie dabei auf Unterstützung in Wiesloch rechnen können.

Aber du bist auch noch an anderer Stelle aktiv.

Joachim Schnitter: Vor zwei Jahren kam mein zweites Bürgerstiftungsprojekt dazu, das Werkstattcafé. Dort gab es jedes Mal neue Herausforderungen beim Reparieren: Mal brachte ich eine alte mechanische Schreibmaschine wieder zum Laufen, mal reparierte ich defekte Elektrogeräte. Da ich ein Mensch mit vielfältigen Interessen und Erfahrungen bin, kam mir das sehr entgegen.

Im April 2025 kam die Nachricht, dass Microsoft die Updates für Windows 10 einstellen werde. Ein Team von Spezialisten überprüft seither ältere Rechner auf ihre Tauglichkeit für Windows 11 und hilft bei der Umstellung. Die große Nachfrage zeigt, dass das Angebot den Nerv getroffen hat. Wenn die Windows-Umstellung nicht möglich ist und falls es gewünscht wird, helfen wir beim Installieren von Linux und geeigneten Office-Programmen, denn damit lassen sich auch ältere Rechner noch einige Jahre bequem betreiben. Dies alles dient dem Nachhaltigkeitsziel der Bürgerstiftung: Ressourcen schonen und Geräte nutzen, solange sie funktionieren.

Aller guten Dinge sind drei: Vor wenigen Wochen gründete sich die Gruppe „Digitaler Unabhängigkeitstag“, auch in diesem Projekt bist du engagiert.

Joachim Schnitter: Damit will die Bürgerstiftung einen Raum für Austausch über digitale Selbstbestimmung bieten. Das ist nicht mehr nur ein Randthema für Nerds, auch Verbraucherzentralen sind an dem Thema dran. Unser Ziel ist, Ratsuchende zu möglichen digitalen Alternativen zu beraten und sie beim Wechsel zu unterstützen. Es gibt europäische Firmen, die Alternativen zu den Plattformen von US-Konzernen anbieten. Meiner Ansicht nach lohnt es sich, die europäische Perspektive zu stärken.

Was motiviert dich, dich bei der Bürgerstiftung zu engagieren?

Joachim Schnitter: Ich erlebe die Bürgerstiftung als eine großartige Einrichtung für Wiesloch. Zum einen finden Menschen, die sich engagieren wollen, hier eine Stelle zum Andocken. Sie sendet das Signal: Kommt her, engagiert Euch bei uns! Zum anderen bietet die Bürgerstiftung Orte an, in denen sich Menschen treffen können und gemeinsam etwas erleben können, z.B. im Begegnungscafé des Netzwerk Asyl. Und zum dritten schließt sie Lücken im sozialen Netz, die durch staatliche Leistungen und Institutionen nicht abgedeckt sind.

Mit den Projekten der Bürgerstiftung haben die Wieslocher*innen ein reiches und vielfältiges Angebot, sich je nach ihren Neigungen zu engagieren. So wie ich! Ich bezeichne mich gelegentlich als Universaldilettanten. All meine Erfahrungen und Interessen kann ich bei der Bürgerstiftung einbringen.

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