Schülerinnen putzen ehrenamtlich Stolpersteine
Strahlende Gesichter bei der Esther-Bejarano-Gemeinschaftsschule, die das Schulschild für ihr erstes „sozialgenial-Projekt“ entgegennehmen durften. Was kannst Du gut, was anderen nützt, ist die Kernaussage der bundesweiten Aktion „sozialgenial“, die von der Stiftung Aktive Bürgerschaft in Kooperation mit ortsansässigen Bürgerstiftungen durchgeführt wird. Hier entwickeln Schülerinnen und Schüler im Unterricht Engagementprojekte, die sie mit außerschulischen Partnern umsetzen. Sie engagieren sich beispielsweise in sozialen Einrichtungen, für Klimaschutz und Demokratie, für Integration und vielem mehr. Dabei stärken sie zudem ihre fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen.
Die neunten Klassen der Esther-Bejarano-Gemeinschaftsschule putzen jedes Jahr ehrenamtlich mit ihren Klassenlehrern die 35 Stolpersteine in Wiesloch und im Stadtteil Baiertal. Auf dieses Projekt können sie mit Recht sehr stolz sein. Mit diesem Projekt „Stolpersteine“ wurde die Schule auch für eine schöne Förderung eines Förderfonds ausgewählt. Den Antrag hierzu hatte die Schulsozialarbeiterin Ines Calleja gestellt. Edeltraut Schuckert und Melitta Wernecke übergaben im Namen der Bürgerstiftung das Schulschild.
Im Rahmen des Projekts säubern sie nicht nur die Stolpersteine, sondern befassen sich auch mit den Schicksalen, die hinter den Namen der Deportierten Mitbürgerinnen und Mitbürger verborgen sind. Die Schülerin Lotta Gamber erzählt: „Es macht mich sehr traurig zu erfassen, was damals passierte. Sogar Kinder wurden nicht verschont. Sehr positiv wirkt deshalb das Lob der vorbeigehenden Passanten, wenn wir die Steine putzen.“ Nora Ben Amor sagte dazu: „Die ganze Thematik wird zusätzlich im Geschichtsunterricht auch mit einem Besuch im Konzentrationslager Struthof aufgearbeitet.“ Ihre Lehrerin Christine Ebbinghaus ergänzte: “Die Euthanasie ist in dieser Schule ein wichtiges Thema, weil hier in Wiesloch auch die sogenannte „Anstalt“ war. Die Patienten der Psychiatrien wurden in Tötungsanstalten umgebracht, z.B. in Grafeneck, oder sie wurden in andere weit entfernte Psychiatrien verlegt und dort nach Nahrungsentzug mit tödlichen Spritzen „erlöst“. Auch deshalb gibt es jedes Schuljahr die Schwerpunkttage Antirassismus. Diese gehören einfach auch zur Geschichte ihrer Namensgeberin Esther Bejarano.“
Wenn man der Schulleiterin Bärbel Kröhn und den Lehrern und Schülerinnen aufmerksam zuhört, wird klar: in dieser Schule wird mit Herzblut gearbeitet und gelernt. Das geistige Vermächtnis von Esther Bejarano, die Gesellschaftsveränderung durch Eigenengagement und Musik forderte, wird hier ernst genommen. So leisten z.B. diese Schülerinnen, weit über ihre schulische Verpflichtung hinaus, wertvolle Dienste für die Gemeinschaft und gegen das Vergessen.
Die Bürgerstiftung Wiesloch freut sich sehr, die Esther Bejarano Schule als weiteren Partner für „Sozialgenial-Projekte“ gewonnen zu haben. Diese engagierte Schule bietet viel Potential für weitere, fruchtbare Kooperationen.

