
Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Beeinträchtigungen sollten angenehm leben können. Über den Weg dorthin sprachen wir mit Annette Steidel. Sie sitzt seit einigen Jahren im Rollstuhl und zog vor fünf Jahren nach Wiesloch. Damals wurden Ehrenamtliche für das Projekt „Wiesloch für Alle“ gesucht. So lernte sie die beiden Projektleiterinnen von „Wiesloch für Alle“, Sandra Oswald und Erika Schultze, kennen.
„Wiesloch für Alle“ will erreichen, dass alles, was Wiesloch zu bieten hat, für alle Menschen, ob mit oder ohne Beeinträchtigung, zugänglich und gefahrlos benutzbar ist: Geschäfte, Ämter, Arztpraxen, Stadtbibliothek, Banken, Spielplätze, Friedhöfe, Straßenübergänge, Gehwege und vieles mehr.
An einer barrierefreien Stadtführung nahmen neben älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Stock, Rollator oder Rollstuhl auch Eltern mit Kinderwagen teil. „Sie machen die gleichen Erfahrungen wie ich im Rollstuhl: Es gibt Orte, die sind nicht oder nur schwer erreichbar. Der Abbau von Barrieren für Gehbehinderte hilft auch beim Schieben von Kinderwagen, und abgesenkte Bordsteine sind auch Radfahrern willkommen. Darum bin ich dabei und verbinde aus eigener Betroffenheit den Abbau von Barrieren mit dem Einsatz für das Gemeinwohl.“
Nach der Gründung des Projektes im Jahr 2021 identifizierte die Projektgruppe in der Stadt Orte, die für Menschen im Rollstuhl oder für Sehbehinderte kritisch sind und führte Gespräche im Rathaus. Die Stadtverwaltung war entgegenkommend und so konnten in den vergangenen fünf Jahren einige Problemstellen entschärft werden. Annette Steidel: „Schön, dass es Leute im Wieslocher Rathaus gibt, die uns zuhören, und dass die Bereitschaft da ist, unsere Vorschläge umzusetzen. Das Highlight für mich persönlich war die Schaffung eines barrierefreien Durchgangs in den Schillerpark und zur Altwieslocher Straße, denn das ist meine Strecke in die Stadt.“
Die größte Herausforderung ist für Annette Steidel, Menschen für das Thema Barrierefreiheit zu sensibilisieren. „Es ist schon traurig, dass die UN-Behindertenrechtskonvention seit 2009 in Deutschland in Kraft ist, jedoch immer noch nicht bei allen Planungen berücksichtigt wird. Sie bedeutet einen echten Paradigmenwechsel – ein Umdenken, das Offenheit verlangt, von jedem, besonders aber von denjenigen, die unsere Städte planen und gestalten. Schließlich werden wir alle älter und wünschen uns, auch dann selbstbestimmt und gut leben zu können.“ Annette Steidels Appell: „Engagiert euch! Ihr habt eine Stimme, ihr könnt was sagen, ihr habt Hände, ihr könnt anpacken, damit wir alle zusammen ein gutes Leben haben können!“ Sie fühlt sich in der Bürgerstiftung Wiesloch an der richtigen Stelle: „Das Besondere an der Bürgerstiftung ist, dass sich hier Menschen engagieren, die etwas bewirken wollen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Menschen jeden Alters und in verschiedenen Lebenslagen zu begleiten. Da auch Nachhaltigkeit und der Schutz der Umwelt zu den Zielen der Bürgerstiftung gehören, fühle ich mich hier richtig. Ich kannte bis vor fünf Jahren keine vergleichbare Institution wie die Bürgerstiftung, aber so etwas sollte es öfter in den Kommunen geben, eine Organisation, die sich um die Belange der Menschen und der Stadt kümmert. Finde ich einfach großartig.“
