
„Wohin mit all dem Wissen, das ich in meinem Berufsleben angesammelt habe? Das muss doch noch weiter nützlich sein.“ Diese Frage stellte sich Melitta Wernecke einige Zeit vor Eintritt in die Rente. Sie hatte viele Jahre im sozialpsychiatrischen Bereich gearbeitet, und ihr war klar: „Was ich kann, will ich weitergeben.“ Die vielen Kompetenzen und Erfahrungen, die ihre Generation gesammelt hat, prädestinieren sie, sich damit über das Berufsleben hinaus in die Gesellschaft einzubringen.
Außerdem, so Melitta weiter, fördere eine sinnstiftende Beschäftigung in einem guten sozialen Umfeld die seelische Gesundheit. Das belegen wissenschaftliche Studien, die sie aus ihrem Arbeitsleben kennt und die sich mit ihrer persönlichen Erfahrung decken.
Im Rahmen des mehrjährigen Projekts „Natur in graue Zonen“ hatte Melitta als Geschäftsführerin der SPHV gGmbH die Bürgerstiftung Wiesloch schon kennengelernt: „Ich habe die Bürgerstiftung schon damals als ‚Ermöglicherin‘ für gelebte Gemeinschaft wahrgenommen. Was dort angepackt wird, ist durchdacht, hat Struktur.“ Als sie später von Vorstandsmitglied Franz Schaidhammer angesprochen wurde, ob sie sich nicht in der Bürgerstiftung im Team der „Direkten Unterstützung“ engagieren wolle, war sie skeptisch: „Meinen Sie, ich kann das?“ Schaidhammer nickte „Probieren Sie es einfach mal aus.“ Melitta Wernecke fühlte sich sofort wohl dabei. Und heute sagt sie: “Ich bin tief beeindruckt, wie die leitenden Personen der Bürgerstiftung die Fäden in der Hand haben und doch dem Einzelnen viel Freiraum lassen. So macht Engagement Freude.“
Für viele Menschen ist der Wechsel vom langjährigen aktiven Berufsleben ins Teilzeit- oder Rentnerdasein schwierig. Der Spannungsbogen von fachlichen Anforderungen, sozialer Interaktion, Stress und Entspannung fehlt plötzlich. Das kann durch ein Ehrenamt abgefedert werden. „Gerade in der Bürgerstiftung Wiesloch gibt es so viele Möglichkeiten, dass man sich ausprobieren und langsam herantasten kann,“ sagt Wernecke aus eigener Erfahrung.
Mittlerweile ist sie auch im Projekt sozialgenial mit Herzblut dabei. Das ist ein Service-Learning-Programm der bundesweiten Stiftung Aktive Bürgerschaft, bei dem das Engagement von Jugendlichen gefördert wird, und zwar durch die Kooperation der lokalen Bürgerstiftungen mit den örtlichen weiterführenden Schulen. „Hier können wir jungen Menschen zeigen, dass es guttut, wenn man sich für andere einsetzt,“ sagt Wernecke dazu. „Hier können sie etwas versuchen, lernen neue Bereiche und evtl. andere Generationen kennen lernen. Die jungen Menschen erfahren Anerkennung auf einer anderen Ebene als in Schulfächern.“ In diesem Projekt sehe sie sich als eine Art Gärtnerin, „hier können wir vielleicht an manchen Stellen die Saat legen, die später in der persönlichen oder beruflichen Entwicklung der jungen Menschen aufgeht, und wir können ihnen den einen oder anderen Impuls für ihre Zukunft geben.“ Die Interaktion mit den Jugendlichen und den Schulen begeistert Melitta Wernecke. Ihr gefällt der Umgang mit allen Generationen, den ihr das ehrenamtliche Engagement bringt. Natürlich laufe nicht immer alles glatt, sagt sie, aber sie sehe das als Herausforderung. Man brauche eben eine gewisse Frustrationstoleranz, denn unterschiedliche Meinungen müssten ausdiskutiert und Rückschläge verarbeitet werden. Weil aber überwiegend positive Rückmeldungen kämen, sei das den Einsatz wert.
