
Susanne Bahr, bis 2018 Lehrerin an einer beruflichen Schule in Wiesloch, ist Rechenpatin für Erstklässler. Am Ende ihres Berufslebens war für sie klar, dass sie sich gesellschaftspolitisch engagieren wollte und ehrenamtlich. Das „Zahlenfüchse“-Angebot der Bürgerstiftung Wiesloch sprach sie an, weil ihr der Kontakt zu jungen Menschen wichtig ist. Das betrachtet sie als Herausforderung aber auch als Bereicherung.
Sie sagt: „Es gibt so viel Bedarf, da muss man doch etwas tun. Bildung ist enorm wichtig. Dazu möchte ich beitragen. Ich genieße es, jetzt kleinen Kindern mit Mathe zu helfen ohne Noten geben zu müssen, denn das fand ich am Lehrerdasein immer schlimm. Jetzt kann ich einzelnen Kindern ganz gezielt helfen, dass sie zum mathematischen/logischen Denken finden. An der Berufsschule hatte ich nämlich viele Jugendliche, die gut auswendig lernen konnten und dadurch relativ gute Noten bekamen, aber kaum selbständig denken konnten. Aber das ist so wichtig. Deshalb arbeite ich jetzt mit kleinen Kindern.“
Eine Patengruppe besteht aus einem Erwachsenen und maximal zwei Kindern und bleibt ein Jahr zusammen. So kann eine persönliche Beziehung entstehen, die für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Es geht nicht immer nur ums Rechnen. Man unterhält sich auch über Dinge, die dem Kind ein Anliegen sind, und lernt selbst dazu. Bahr erzählt lachend: „Ich habe z.B. gelernt, was Pausenengel sind, und ich weiß jetzt alles über Lionel Messi, weil eines meiner Patenkinder fußballbegeistert ist. Und so etwas kann man hervorragend fürs Rechnen ausnutzen: ‚Aha, die eine Mannschaft hat zwei Tore geschossen und die andere 4? Wie viele Tore waren das denn insgesamt?‘“
Bahr weiter: „Wenn man sich auf so etwas einlässt, hat man schon eine kleine Pflicht. Manchmal, in der eher antriebslosen dunklen Jahreszeit, fällt es mir durchaus schwer, mich auf den Weg in die Schule zu machen. Aber ich gehe natürlich hin, und dann bin ich hinterher auf dem Heimweg meistens glücklicher als auf dem Hinweg.“
Der Pateneinsatz ist relativ gering, einmal pro Woche eine Schulstunde, und doch kann man damit viel bewirken. Wenn jeder ein bisschen beiträgt, könne viel gelingen, ist Bahr überzeugt, denn sie sei als Patin in der Bürgerstiftung Wiesloch Teil einer großen, starken Gemeinschaft.
Die Begeisterung, mit der Susanne Bahr von ihren Patenstunden erzählt, scheint ansteckend zu sein. Aus ihrem Bekanntenkreis kamen schon einige Personen zur Bürgerstiftung Wiesloch. Nicht alle in die Patenschaften, aber „die Bürgerstiftung ist so vielfältig; wenn man sich engagieren möchte, ist für jeden etwas dabei; man kann erstmal reinwachsen. Die Auswahl ist groß, neue Ideen kann man gut einbringen, man bekommt hervorragende Unterstützung.“ Und Leuten, die keine Zeit haben, empfiehlt Bahr gleich noch: „Für Spenden ist die Bürgerstiftung Wiesloch eine gute Adresse, insbes. wenn man nicht konkret weiß, wofür man Geld geben möchte. Die Bürgerstiftung Wiesloch setzt es nach Bedarf und vor Ort ein.“
