Ein Abend mit dem Thema Meine Nazi-Familie – Eine deutsche Vergangenheitsbewältigung.

Kurz vor dem 70 Jahrestag des Weltkriegsendes luden Bürgerstiftung, Buchhandlung Eulenspiegel und Stadtbibliothek Wiesloch den Autor Niklas Frank nach Wiesloch ein.

Erschütternd, schonungslos, abgründig ist die nationalsozialistische Vergangenheit seiner Familie, die er in bisher drei Büchern zu bewältigen versucht. Wie so etwas möglich ist, schilderte er bei seiner Lesung mit anschließender Diskussion Mitte April 2015 im Kulturhaus.

Niklas Frank wurde 1939 geboren. Sein Vater war der nationalsozialistische Politiker Hans Frank, Hitlers Rechtsanwalt, höchster Jurist im Dritten Reich und Generalgouverneur im besetzten Polen, der für die Ermordung Hundert­tausender Polen mitverantwortlich war und als „Schlächter von Polen“ bezeichnet wurde.

In jahrelangen Recherchen rekonstruierte Niklas Frank das Leben seines Vaters. Seine Erkennt­nisse über dessen schreckliche Verbrechen verarbeitete er in seinem ersten Buch „Der Vater. Eine Abrechnung“ (erschienen 1987). 2005 folgte „Meine deutsche Mutter“ und 2013 „Bruder Norman“. Diese drei Bücher sind ein bislang einzigartiger Versuch, den Massenmord an den Juden als familiäres Erbe zu verarbeiten.

Niklas Frank schreibt schonungslos über die Verbrechen seiner Familie. Er hadert auch 70 Jahre nach Kriegsende noch immer mit der Vergangenheit seiner Familie. Dass er nicht zu einem harten, verbitterten Mann wurde, verdanke er seiner Frau und seinen Kindern. Er habe nach eigenen Worten „an sich gearbeitet“ und „alles aufgearbeitet“.

Das spürten die zahlreichen Zuhörer insbesondere in der langen Gesprächsrunde nach der Lesung; und später in einem Bistro erfuhr ein kleiner Kreis, dass er eigentlich ein humorvoller Mensch und begeisterter Opa ist.

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