Rhein-Neckar-Zeitung, 12./13.06.2010

Lesepaten-Projekt der Bürgerstiftung ist erfolgreich – Aktionstag „Bildungspatenschaften direkt“

Wiesloch. (pen) Sie lesen Geschichten vor, unterstützen beim Rechnen oder helfen Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Eine Vielzahl von Paten und Mentoren in ganz Deutschland unterstützt Kinder und Jugendliche in der Schule oder auf dem Weg in das Berufsleben. Um auf diese gesellschaftlich wichtige und ehrenamtlich geleistete Arbeit hinzuweisen, fand nun erstmalig der Aktionstag „Bildungspatenschaften direkt“ statt. Unter dem Motto „Erzählen“ stellten sich Patenschafts- und Mentoringprojekte in ganz Deutschland vor.

Auch in Wiesloch gibt es Patenschaftsmodelle, organisiert von der Bürgerstiftung Wiesloch, die an diesem Tag präsentiert wurden. „Der Aktionstag betont die Wichtigkeit dieser Arbeit und die bundesweite Aktualität des Themas Bildungspatenschaften. Die Unterstützung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Professorin Maria Böhmer, unterstreicht dies noch“, erklärt Rosemarie Stindl, Mitglied im Vorstand der Bürgerstiftung Wiesloch.

Seit Herbst 2008 läuft das Lese-Paten-Projekt „Buchstabenfüchse“ der Bürgerstiftung an den Grundschulen in Wiesloch. Untersuchungen haben ergeben, dass 20 Prozent der Grundschüler nicht sinnerfassend lesen können. Etwa 80 Prozent dieser Kinder haben einen Migrationshintergrund. Um hier Unterstützung zu leisten, treffen sich die Patinnen einmal in der Woche mit jeweils zwei Patenkindern zum „Nachhilfeunterricht“ in der Schule. Dabei werden Texte gelesen und interpretiert. Begonnen wurde mit zehn Patinnen, heute sind es 20, die mehr als 40 Kinder betreuen. „Das Projekt kommt sehr gut an. Die Deutschlehrer berichten uns, dass die Kinder große Fortschritte machen. Vor allem entwickeln sie durch die Förderung mehr Selbstvertrauen und beteiligen sich häufiger am Unterricht“, erzählt Rosemarie Stindl.

Eine der Lesepatinnen ist Christina Reckers-Schneider, die von Anfang an dabei ist. Sie erzählt von den vielen Erlebnissen mit ihren Patenkindern und schildert die Herausforderungen und Erfolge ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Es ist für mich auch interessant, über die Kinder andere Kulturen kennenzulernen. Der Unterricht macht sehr viel Spaß. Wir lachen viel“, berichtet sie. „Für die Kinder ist die Zuwendung durch die Patin wie ein Geschenk“, ergänzt Rosemarie Stindl. Die Schüler werden meist von einer Patin über den Zeitraum von zwei Jahren – von der ersten bis zum Ende der zweiten Klasse – begleitet.

Im Frühjahr nächsten Jahres will die Bürgerstiftung mit einem weiteren Patenprojekt die Rechenfähigkeit der Grundschüler verbessern. Viele Erstklässler hätten Probleme mit dem „Zehnerübergang“ beim Rechnen. Diese Kinder sollen
mit einer bestimmten Lernmethode unterstützt werden. Für dieses Projekt mit
dem Namen „Zahlenfüchse“ kooperiert die Bürgerstiftung mit Birgit Breitschopf-Reimann, einer speziell ausgebildeten Therapeutin. „Viele Kinder haben Probleme mit dem Übergang zu den Zehnerzahlen. Dadurch verlieren sie schon in der ersten Klasse den Anschluss im Rechnen“, weiß die Therapeutin. Sie soll die
ehrenamtlichen Paten für den Unterricht mit den Kindern schulen. „Für diese gezielte Förderung in der Frühphase des mathematischen Verständnisses suchen wir noch Paten mit pädagogischem Hintergrund“, berichtet Rosemarie Stindl. Auch auf finanzielle Unterstützung ist die Bürgerstiftung angewiesen, mit dem Geld sollen die Schulung der Paten sowie die Lizenzgebühr für das Programm finanziert werden. „Die Paten investieren Zeit, Wissen und Engagement, um die Entwicklung der Kinder positiv zu gestalten. Doch die meisten bekommen durch das Lachen, die Herzlichkeit und das Vertrauen der Kinder viel mehr zurück“, betont Rosemarie Stindl.

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