Rhein-Neckar-Zeitung, 15.04.2006

Bislang wurde ein Kapitalstock von rund 214.000 Euro zusammengetragen – Gründung am 4. Mai

Wiesloch. (pen) Die geplante „Bürgerstiftung Wiesloch“ hat die erste Hürde genommen. Bis zum 31. März 2006 konnten sich die Bürger von Wiesloch als Gründungsstifter eintragen lassen. Voraussetzung war die Einzahlung von mindestens 1000 Euro als Stiftungskapital. Nach Auskunft von Bürgermeisterin Ursula Hänsch, die mit ihrem Büro im Rathaus in der Anfangsphase Anlaufstelle für die Bürgerstiftung ist, wurden bis zum 31. März rund 90 Bürger als Stifter gezählt, die genaue Zahl muss noch ermittelt werden. Das Stiftungskapital liege bei rund 214.000 Euro, berichtet Ursula Hänsch. „Damit wurden all unsere Erwartungen übertroffen“, erklärt Lars Castellucci aus dem Initiativkreis „Bürgerstiftung Wiesloch“.

Vor etwa einem Jahr haben sich die zwölf Mitglieder des Initiativkreises zum ersten Mal getroffen, im Dezember 2005 sind sie dann mit ihrer Idee, eine Bürgerstiftung zu gründen, zum ersten Mal über die Presse an die Öffentlichkeit gegangen. Beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar dieses Jahres stellten dann Dr. Reinhold Miller und Lars Castellucci das Konzept noch einmal vor. Damit begann die aktive Werbephase, die jetzt am 31. März endete. Am Anfang habe sie fast täglich einen Anruf wegen der Bürgerstiftung bekommen, berichtet Ursula Hänsch. Es habe viel Lob, aber auch Kritik gegeben. „Interessant war, dass Menschen, die Kritik übten, trotzdem gespendet haben“, so die Bürgermeisterin. Auch jetzt noch würden Spenden auf das Konto eingehen.

Wer bis zur Frist den Mindestbetrag gespendet hat, der ist nun Gründungsstifter und kann auf der Gründungsversammlung am 4. Mai die weiteren Geschicke der Stiftung mitbestimmen. Auf der Gründungsversammlung wird zunächst eine Satzung verabschiedet, dann der Vorstand gewählt und anschließend der Stiftungsrat. Der Vorschlag des Initiativkreises sieht vor, dass elf Stiftungsräte gewählt werden. Zur Gründungsversammlung kann jeder kommen, wahlberechtigt sind jedoch nur die Personen, die bis zum 31. März gespendet haben, erläutert Dr. Reinhold Miller.

Nicht jedes Gründungsmitglied will auch in den Stiftungsrat. „Ich möchte nicht in den Stiftungsrat, für mich ist es ausreichend, dass ich die Sache ins Rollen gebracht habe“, erklärt Dr. Reinhold Miller. Ganz anderer Meinung ist Dr. Brigitta Martens-Aly, die ebenfalls zum Initiativkreis gehört. „Ich würde gerne dem Stiftungsrat angehören, denn ich habe mitgeholfen, das Kind ‚Bürgerstiftung‘ auf die Welt zu bringen und jetzt will ich auch dabei sein, wenn es laufen lernt“, erklärt sie.

Auf der Ideenliste des Initiativkreises stehen bereits über 50 Projekte. Welche davon umgesetzt werden, wird in den nächsten Wochen entschieden. Es gibt zwei Bereiche, in denen die Bürgerstiftung aktiv werden will: Zum einen sollen bereits bestehende soziale Projekte gefördert, zum anderen notleidende Bürger direkt unterstützt werden. Hier kann Ursula Hänsch ihre Erfahrungen aus der „Steingötter-Greiff-Stiftung“ einbringen, denn diese hilft gleichfalls Menschen in Not. „Bürger, die dringend Hilfe benötigen, kommen manchmal selbst in mein Büro oder werden mir von anderen (beispielsweise dem Sozialamt) gemeldet“, berichtet sie. Unterstützt werden sollen Menschen und Projekte in Wiesloch und den Partnerstädten. Als finanzielle Mittel stehen der Bürgerstiftung die Zinserträge aus dem Stiftungskapital zur Verfügung. „Natürlich sind wir auch weiterhin auf Spenden angewiesen, damit wir viel bewegen können“, erläutert Lars Castellucci.

Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf ist Oberbürgermeister Franz Schaidhammer, der auch zum Initiativkreis gehört. „Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung zu sehen, dass sich so viele Menschen engagieren. Die Vorarbeit hat sich gelohnt, wir sind auf dem richtigen Weg“, betont der Oberbürgermeister.

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