Rhein-Neckar-Zeitung, 03.08.2009

Uwe Maschke und Eva Thien gaben den vorläufigen Abschlussbericht zum Gewaltpräventionsprojekt

Wiesloch. (pen) Unter den Jugendlichen in Wiesloch gibt es viele Talente. Das konnten die Mitglieder des Kulturausschusses in der jüngsten Sitzung selbst erleben. Ihnen wurde dort nämlich per Video eine Rap-Darbietung von Wieslocher Jugendlichen präsentiert. Die fünf Rapper haben seit der Gründung ihrer Band vor sechs Monaten schon vier Auftritte gehabt – unter anderem auch auf einer Veranstaltung der Bürgerstiftung Wiesloch. Das Besondere an dieser jungen Band ist, dass es sich um Jugendliche handelt, die bisher eher negativ aufgefallen waren und zu den „Problemfällen“ im Bereich der Jugendsozialarbeit zählen.

Auch im sportlichen und handwerklichen Bereich gibt es viele Talente und Neigungen, die von den Sozialarbeitern entdeckt und gefördert werden. Das geht aus dem vorläufigen Abschlussbericht zu dem Gewaltpräventionsprojekt „Come Together“ hervor, das vor zwei Jahren begonnen wurde und inzwischen eine gute Erfolgsbilanz vorweisen kann, wie Uwe Maschke (Kinder- und Jugendbüro) und Eva Thien (Streetworkerin) bei der Präsentation betonten. Das vom Landeskriminalamt bezuschusste Projekt dient in erster Linie dazu, dauerhaft und verlässlich soziale Benachteiligung abzubauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Voraussetzung dafür ist, zunächst das Vertrauen der Jugendlichen zu bekommen.

Diese erste Phase sei sehr langwierig und intensiv, berichtete Eva Thien. Sie besucht die Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen nur schwer durch Angebote der Jugendarbeit zu erreichen sind, an den Plätzen, wo sie sich regelmäßig treffen. Die meisten von ihnen kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen und haben selten eine abgeschlossene Schulausbildung und damit wenig Chancen auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Inzwischen wird von den Mitarbeitern der mobilen Jugendsozialarbeit eine Gruppe von 25 Jugendlichen intensiv betreut und unterstützt. Vier Jugendliche konnten inzwischen motiviert werden, eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme zu beginnen.

„Die meisten Jugendlichen pendeln zwischen Weiterbildung, Bewerbung, Abbruch und Demotivation hin und her“, so Uwe Maschke. Die Jugendsozialarbeit biete diesen Jugendlichen eine niederschwellige und unkomplizierte Hilfe an. Zu den verschiedenen Projekten im Rahmen von „Come together“ gehört neben der Rap-Band auch die Schaffung einer Fußball-AG, die sich freitags in der Gerbersruhschule zum Fußball trifft. Ihr gehören etwa zehn bis zwölf Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 13 und 20 Jahren an. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde außerdem in der Nähe des Hoschket-Kreisels ein Pavillon als Treffpunkt errichtet. „Durch diese Aktion sowie durch die Turniere und Partys wird nicht nur das Freizeitangebot erweitert, sondern werden auch gleichzeitig die Jugendlichen in die Verantwortung genommen“, betonte Eva Thien. Auch das Verständnis in der Bevölkerung ändere sich, wenn sie die Jugendlichen nun nicht mehr nur als laute Gruppe vor dem Schlecker, sondern anders erlebten, wie beispielsweise als Band, beim Bau der Hütte oder bei der Organisation eines Fußballturniers.

Oberbürgermeister Franz Schaidhammer zeigte sich ebenfalls zufrieden mit dem Projekt „Come together“. Die Stadt habe einen anderen Weg als üblich gesucht und auf Integration in das soziale Leben statt auf Polizeiverordnungen gesetzt. Die Jugendlichen würden so Erfolgserlebnisse durch von der Gesellschaft akzeptierte Handlungen haben. In der anschließenden Diskussion gab es unterschiedliche Meinungen zu dem Projekt. Eugen Wickenhäuser (WGF) bezweifelte, dass sich die Gewalt dadurch deutlich reduzieren lasse.

Lob gab es von Sonja Huth (SPD) und Britta Eger (Bündnis 90/Die Grünen), die beide betonten, dass offene Jugendarbeit wertvoll und wichtig sei und es lange dauere, bis Vertrauen zu den Jugendlichen aufgebaut werde und nachhaltig etwas bewirkt werden könne. Um die bestehende Arbeit sinnvoll fortzusetzen, sei es wichtig, die mobile Jugendarbeit als festen Bestandteil der Jugendsozialarbeit in Wiesloch zu implementieren, erklärte Uwe Maschke.

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