Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Anton Ottmann drucken wir den von ihm verfassten Artikel ab, der in der Wieslocher Woche vom 29.7.2021 erschienen ist.

(aot) Mit dem Schülerförderpreis der Bürgerstiftung wurde in diesem Jahr am Ottheinrich-Gymnasium die Schülerin Sara Molaahmed ausgezeichnet. Vor gut fünf Jahren kam sie ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland.  „Die meisten von uns können nur erahnen, was es bedeutet, in ein fremdes Land zu kommen, dessen Sprache und Kultur man nicht kennt“, sagte Dr. Johann Gradl, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung bei der Übergabe des Preises im Rahmen des Festaktes zur Verabschiedung der Abiturientinnen und Abiturienten im Palatin.

Trotz der Schwierigkeit sich im komplizierten Deutschen Schulsystem zurechtzufinden, habe Sara schon zwei Jahre später mit hervorragendem Zeugnis die hiesige Realschule besucht und sei 2018 auf das OHG gewechselt. Die Lehrer seien begeistert gewesen, wie souverän sie die sprachlichen Hürden gemeistert habe. Obwohl zu ihren sonstigen Problemen auch noch eine schwere Krankheit dazukam und sie buchstäblich vom Bett aus lernen musste, meisterte sie das Abitur mit Bravour und mit dem „Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker“ und dem schulinternen „Fachpreis Biologie“. 

Die Preisträgerin Sara Molaahmed (Bild: Helmut Pfeifer)

„Der unstillbare Wunsch nach Bildung hat Sie angetrieben – und treibt Sie weiter an“, wandte sich Gradl direkt an Sara. „Bei Menschen, denen man Ehrgeiz und einen starken Willen bescheinigt, denkt man schnell daran, dass sie die Ellbogen ausfahren. Nicht so bei Ihnen. Die Schulleitung bescheinigt Ihnen durch die Nominierung für diesen Preis ein hohes Maß an Freundlichkeit.“ Und so habe er sie auch im Vorgespräch erlebt. Es brauche also nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass mit diesem Abiturzeugnis und ihrer starken Persönlichkeit eine großartige Zukunft vor ihr liege.  

Die Überreichung des Geldpreises in Höhe von 400 Euro begleitete Gradl mit den Worten: „Sie haben die Herausforderungen des Lebens in beeindruckender Weise angenommen. Den Menschen in ihrem Leben haben Sie dadurch Mut und Zutrauen, Hoffnung und Zuversicht gegeben. Sie sind zu einem Vorbild für andere Menschen geworden.“ 

Wie man Herausforderungen und Schicksalsschläge überwinden könne, liege alleine an der Haltung, wie man solchen Einschnitten begegne, so Gradl in Richtung Publikum. Und da könne man von Sara lernen. Auch als alles zusammenzubrechen drohte, habe sie sich den Glauben an die eigene Kraft bewahrt. Und so sei die Botschaft der Preisverleihung eine der Hoffnung und eine des Mutmachens.

Die Bürgerstiftung sei eine gemeinnützige Organisation mit vielfältigen Aktivitäten, so Gradl, die das gute, friedliche und solidarische Zusammenleben aller Menschen in Wiesloch fördere, über alle Grenzen von Herkunft, Religion und Genrationen hinweg. Aus diesem Grund zeichne man bereits seit zehn Jahren Schüler und Schülerinnen aus, die von den Schulleitungen aller weiterführenden Wieslocher Schulen für den Förderpreis nominiert werden. Über die Auswahl entscheide eine Jury unter der Fragestellung: „Wer hat es geschafft, trotz schwieriger Bedingungen eine schulische Abschlussleistung zu erzielen, die gemessen an den Voraussetzungen, so nicht zu erwarten war?“ Fünf wurden in diesem Jahr ausgewählt, eine war Sara.

Zum Schluss seiner Ansprache wies Gradl die Eltern darauf hin, dass die Bürgerstiftung ehrenamtliche arbeite und von Spenden lebe und dass er sich freue, wenn der eine oder andere sich über deren Arbeit im Internet näher interessiere.

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