Rhein-Neckar-Zeitung, 07.07.2006

Wiesloch. (rö) Die Bürgerstiftung Wiesloch ist die 2000. Stiftung in Baden-Württemberg. Deshalb kam Innenminister Heribert Rech persönlich in die Weinstadt, um der Bürgerstiftung im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus die Stiftungsurkunde und damit die Anerkennung des Genehmigungsantrags zu übergeben.

Am 4. Mai hatte die Gründungsversammlung stattgefunden. „Die Wein- und Kulturstadt Wiesloch ist um eine wichtige Facette reicher“, sagte der Minister, der sich auch ins goldene Buch der Stadt eintrug.

In Bürgerstiftungen, so Heribert Rech, könnten sich Bürger für andere Bürger engagieren und einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität vor Ort leisten. Davon gehe eine Signalwirkung in die Gesellschaft aus. „Den Bürgern Wieslochs ist mit der Gründung der Bürgerstiftung etwas Außergewöhnliches gelungen“, freute sich der Minister über die „große Resonanz in allen Bevölkerungsschichten“ und sprach von einer „wahren Erfolgsgeschichte“. Bürgerstiftungen könnten dort helfen, „wo es sinnvoll ist und es keine staatliche Hilfe gibt“.

Trotz beeindruckender Zahlen – aktuell hat die Stiftung bereits über 200 000 Euro an Kapital und Spenden zusammen getragen – werde „das Einwerben weiterer Mittel eine wichtige Aufgabe sein“, so Rech. Ab einem Beitrag von 1000 Euro war es möglich, Gründungsstifter zu werden. Aber auch ohne finanzielle Beteiligung könnten sich Bürger mit ihren Talenten und ihrer Tatkraft in die Stiftung einbringen.

Dies sei „eine fantastische Idee“, sagte der Innenminister, und mache deutlich, dass das bürgerschaftliche Engagement immer mehr an Bedeutung gewinne. „Bürgerstiftungen können eine große Vielfalt lokaler Aktivitäten fördern“, sie seien gleichzeitig Initiatoren, Organisatoren und Katalysatoren bürgerschaftlichen Engagements.

Der Stiftungsgedanke gewinne in Baden-Württemberg allgemein an Gewicht. 1997 habe es im Land etwa 1000 Stiftungen gegeben, heute habe man die Marke von 2000 erreicht. Rech zeigte sich zuversichtlich, „dass sich dieser Trend fortsetzen wird“. Die Stadt Wiesloch habe mit der Gründung der Bürgerstiftung einen guten Weg ingeschlagen. „Unser Kapital und unser Reichtum sind die Bürger“, sagte der Innenminister.Deshalb gratuliere er der Stadt „zu dieser großartigen Bürgerstiftung“.

Wieslochs Oberbürgermeister Franz Schaidhammer hatte zuvor die zahlreichen Ehrengäste und Gründungsstifter im Ratssaal begrüßt. Letzteren dankte der OB für die „spontane und großzügige Bereitschaft“, der Bürgerstiftung einen stattlichen Betrag mit auf denWeg zu geben, so dass man bereits über „ein erfreuliches Gründungskapital“ verfüge.

Schaidhammers Dank galt auch den Mitgliedern des Initiativkreises, der sich aus Menschen zusammensetze, „die einen Querschnitt durch das politische, kirchliche und gesellschaftliche Leben unserer Stadt“ darstellten. Dies sei sicher mit ein Grund für den Erfolg gewesen. Der Initiativkreis habe die Gründung fast ein Jahr lang akribisch vorbereitet. Jetzt solle die Bürgerstiftung dort einspringen oder unterstützen, „wo die Stadt aus rechtlichen oder finanziellen Gründen erkennbare Not nicht lindern kann“, so Schaidhammer.

Lars Castellucci, Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung, gab einen kurzen Abriss, wie diese zustande gekommen war. Am 6. Februar 2004 habe er die erste E-Mail zu diesem Thema an den OB verschickt. Bis zur Gründungsversammlung habe es dann zwar noch eine „ganz schön lange Zeit“ gedauert, doch jetzt sei das Werk „gelungen“. 2003 und
2004 seien schwierige Jahre für die Stadt Wiesloch gewesen, blickte Castellucci zurück. „Was kann trotz dem angepackt werden?“, sei die Frage gewesen, mit der sich die zwölf Mitglieder des Initiativkreises beschäftigt haben.

Er sprach vom Optimismus, „dass wenn Menschen etwas gemeinsam anpacken, sie auch etwas bewegen können“. Und so fuße die Bürgerstiftung Wiesloch auf einem „breiten Reichtum“: einerseits auf dem Stiftungskapital, aber auch auf dem Reichtum, „dass es Ideen gibt und Menschen, die sich dafür einsetzen“. Wiesloch sei „reich an diesem Sozialkapital“, sagte Lars Castellucci.

„Heute ist ein großer Tag, ein Tag des bürgerschaftlichen Engagements“, sagte Staatssekretär a.D. Michael Sieber, Vorsitzender des Vorstandes der Bürgerstiftung. Bald werde man die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erhalten,Konten eröffnen und einen Wirtschaftsplan erstellen. Nach einem „Kennenlern-Treffen“ der Stifter Ende Juli werde man dann im Herbst eine Klausurtagung abhalten, um sich Gedanken über die Projekte zu machen, die man angehen wolle. Noch habe die Stiftung „nicht so hohe Erträge“, so Michael Sieber, des halb müsse man sich natürlich auch mit der Frage beschäftigen, „wie wir zu mehr Geld kommen“. Er kündigte an: „Es geht ab sofort richtig los.“

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Irene Lorenz (Violine) und Christoph Dressler (Violoncello) von der Musikschule Südliche Bergstraße mitWerken von Jean Baptiste Breval, Justus Johann Dotzauer und Ludwig van Beethoven.

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