Rhein-Neckar-Zeitung, 23.05.2012

Die Bürgerversammlung in Schatthausen zum Thema „Bioenergiedorf“ fand große Resonanz – Folgeveranstaltung am 11. Juni

Schatthausen. (hds) „Auf die Schatthäuser ist halt immer Verlass“, meinte Oberbürgermeister Franz Schaidhammer gleich zu Beginn der Bürgerversammlung im evangelischen Gemeindehaus zum Thema „Bioenergiedorf“ angesichts des Andrangs. Die Bürger des Stadtteils glänzten jedoch nicht nur durch ihre Präsenz, vielmehr wurde auch spontan am Ende der Veranstaltung ein Folgetermin vereinbart, um noch konkreter und dann vielleicht auch initiativ über die „Umwandlung“ Schatthausens in ein Bioenergiedorf zu sprechen. Am 11. Juni, 19.30 Uhr, wollen sich Interessierte an dem Projekt wieder im evangelischen Gemeindehaus einfinden, um dann vielleicht bereits den Grundstein und die organisatorischen Voraussetzungen für eine selbstständige Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien zu legen.

Ausschlaggebend war der Inhalt des Vortrags von Sebastian Damm, Geschäftsführer der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber. Mit dem Projekt „Bioenergie-Region H-O-T“ erfolgt seit September 2009 erstmals eine abgestimmte und kooperative Auseinandersetzung mit dem Thema erneuerbare Energien im Hohenlohekreis, dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Main-Tauber-Kreis.

Zuvor hatte Schaidhammer in seiner Begrüßung darauf verwiesen, wie wichtig eine Preissicherheit durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe vor Ort sei. Dr. Archim Heimann von der Bürgerstiftung Wiesloch, Mitinitiator der Bürgerversammlung, brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass vielleicht „der Funke auf die Schatthäuser überspringt“ und man sich für ein Bioenergiedorf im wahrsten Sinne des Wortes erwärmen könne.

Zurzeit gibt es in der Bundesrepublik 25 Regionen, die sich intensiv mit Bioenergie auseinandersetzen und diese auch bereits schrittweise umgesetzt haben. „Wichtig ist es, die Initiative zu ergreifen, denn die Endlichkeit der fossilen Energien wird uns täglich vor Augen geführt“, erläuterte Damm. Der „Ölknackpunkt“ steht nach seinen Ausführungen unmittelbar bevor und dies bedeutet, dass die Quellen nicht mehr so sprudelnwiefrüher. Steigende Preise sind die Folge und ein schnelles Umdenken und ein konsequentes Handeln unabdingbar.

Der Fokus liegt dabei in erster Linie auf den ländlichen Regionen. Hier ist es möglich, durch Engagement der Bewohner die Energie auf nachwachsende Rohstoffe umzustellen. Am Beispiel des niedersächsischen Örtchens Jühnde zeigte Damm auf, wie eine solche Umstellung vollzogen werden kann. „Dies geht natürlich nicht über Nacht“, so Damm.

Zunächst muss genau analysiert werden, ob die notwendigen Rohstoffe für das Betreiben von Bioenergieanlagen vor Ort zur Verfügung stehen. So beispielsweise die Nutzung von Pflanzen und Gülle für entsprechende Anlagen, Kosten für ein neues Leitungsnetz und die Gründung einer Genossenschaft. Denn: Nach einer solchen Umstellung bleibt ein großer Teil der Gelder in der heimischen Region, nicht wie heute, wo der größte Batzen in arabische Länder fließt.

Die Hälfte des Wärmebedarfs soll in Bioenergiedörfern durch Biomasse abgedeckt werden, wichtig ist auch die Mitbestimmung der angeschlossenen Haushalte und damit der Bürger bei Entscheidungen in ihrer Region.

„Weg von der Abhängigkeit, aber der finanzielle Aspekt ist nur eine Seite der Medaille.“ Viel wichtiger ist es nach Worten Damms jedoch, in sinnvollen Schritten ein solches Projekt anzugehen. Energie einsparen als ersten Schritt, Wärmedämmung und damit bessere bauliche Umsetzung von neuen Häusern und dann natürlich der stetige Ausbau erneuerbarer Energien. Nur im Zusammenspiel aller drei Punkte werde man die zukünftigen Aufgaben erledigen können. Eine der Grundvoraussetzungen, ähnlich wie beim deutschen Pilotprojekt in Jühnde vor einigen Jahren, ist eine möglichst hohe Beteiligung der Bevölkerung, denn so können die anfallenden Kosten sinnvoll auf viele Schultern verteilt werden.

Bei der Bürgerversammlung war es naturgemäß noch nicht möglich, Fragen zum Investitionsaufwand und zur individuellen Belastung der einzelnen Haushalte konkret zu beantworten. Besonders unter dem Aspekt, dass es aus Töpfen des Bundes und des Landes auch nicht unerhebliche Zuschüsse für solche Vorhaben gibt.

Deshalb die Folgeversammlung am 11. Juni. Dann wollen die Schatthausener konkrete Schritte beraten und über das „Ob“ und „Wie“ diskutieren. Die Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen, ist dabei sicherlich ein großer Anreiz. Jetzt gilt es jedoch erst einmal, über eine genaue Untersuchung die Gegebenheiten in Schatthausen zu prüfen, um dann die nächsten Schritte einleiten zu können.

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